Reyersbach

(Unterfranken)


 

 

Bäuerin aus Reyersbach im Besengau in sommerlicher Werktagstracht:

Baumwollenes Kopftuch, Kittel, Rock, Schürze

Bäuerin in Tracht für den Kirchgang an den Werktagen und für die Bahrt in die Stadt (d.h. "frömm naus").
 

 

Noch tragen ein paar ältere Frauen die Tracht. "Ich bin jo so frua, daß ich mich noch selwer veragementier (= versorgen) kon," meint eine Trachtträgerin, die zum Großteil die Kleider trägt, die sie selbst einmal in der "Sonntichsschuel" genäht hat. Bei den einzelnen Trachtenstücken sollen hier nur besondere Merkmale herausgenommen werden:

Das Rückenteil des Kittels ist in der Mitte mit einer "Gollfalte" versehen. "Fürs's Kindsbett" trug man weiße Kittel aus feinem Leinen, verziert mit Häkelspitzen. Der Oberrock heißt in Reyersbach der "Hausmacherrock". Aus selbstgesponnener und -gefärbter Schafswolle strickten sich die Mädchen und Frauen selbst ihre Strümpfe mit Zopf- oder Lochmustern, bzw. auch einfach "glatt rechts".

Eine ältere Frau konnte sich noch ans Einfärben erinnern: "Da homm me Textilfarb gekäfft, die is kochenes gemocht worn (gekocht worden). Dann sen die Wollsträng neigeläht worn und mußte a Vetlschttonn (eine Viertelstunde) zieh." Bevorzugte Farben sind schwarz, blau, rot und lila gewesen.

Neben Holzschuhe, Lederschuhe mit flachen Absätzen und den hohen Stiefeletten sah man im Besengau bestickte Straminschuhe und bei der Hausarbeit die "Schlappe", die "ous Binsche (Binsen) un Strua (Stroh) selwr gmocht worn. Fürs's Obrtoal (Oberteil) sen Binsche zom Zopf gflacht worn un für die Sull (Sohle) is Strua zomgflacht worn. Domit des Ganze ghalle hot, is noch a Schpakschwatte (Speckschwarte) ofs Strua geklebt worn."

Ganz selten einmal wird eine zur Tracht gehörende Unterhose beschrieben. Bis um die Jahrhundertwende trug man nur selten eine Unterhose, später zog man sie nur an Fest- und Sonntagen und zum Tanzen an. Hierzu die Feststellung einer alten Bäuerin: "Ber wos Bessres sei wollt, hot ene ogezö, die anere oft niet. Mie homm ömmer gelacht, do hat die ene gsöd: Ihr domme Luder, des gkört zum Ostand (Anstand)." Die knielangen Unterhosen waren aus Leinen, hinten blieben sie offen. Die Beinweite war mit einem Bund zusammengehalten und mit einer gehökelten breiten Spitze verziert.

 


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