Schraudenbach / bei Werneck

(Unterfranken)


 

 

Hochzeitspaar aus Schraudenbach

(Aufnahme um 1979)

Festtagstracht

aus Schraudenbach

 

 

An den üblichen hohen Festtagen und für die Höhepunkte des Lebens, wie Weißen Sonntag, Kindstaufe oder Hochzeit sieht man die Frauen in ihren schönsten Trachten.

Am ersten Osterfeier- und Pfingsttag und an Fronleichnam legen die Frauen ihre beste Tracht an:

Die schwarzseidene Bänderhaube, den hochgestülpten "Küreß" aus schwarzer Seide mit eingewirkten Blumenmustern, darüber das große, seidene Schultertuch mit grünen Blumenmustern auf rotem Grund, dazu den engplissierten Rock aus dem gleichen Stoff wie der Küreß, der an der Taille auf dem Wollwust des "Wamesla" (Wamsleibchen) liegt und darunter ein weißes Leinenhemd mit weiten Ärmeln. die seidene schürze mit roten Blumen auf schwarzem Grund übersät, mit rotseidenen Bändern vorne gebunden und die schwarzen Wollkniestrümpfe und Lederhalbschuhe dürfen nicht fehlen, genauso wie der prunkvolle Schmuck: das güldene Kreuz, Medaillons, Ketten, Ringe und Broschen.

Die Trachtenstücke für die einfachen Feiertage sind aus weniger wertvollen Stoffen, diese Tracht wird auch das "Grüne und Blaue" genannt, an Stelle der Haube tritt das Kopftuch, die "Hülln". An normalen Sonntagen wird der sog. "dritte Staat", d.i. baumwollenes Zeug, angelegt.

Die Trauertracht sieht man während der Zeit der tiefen Trauer, am Karfreitag und an Allerseelen; nur Hochzeiten und Taufen heben alle Trauer auf. Beim Tod von Eltern und Kindern folgt nach einem Jahr Trauer eine vierwöchige Abtrauer, an verschiedenen Trachtenabstufungen ist das Trauern sichtbar. Für verstorbene Geschwister trauert man ein halbes, für Schwager oder Schwägerin ein viertel Jahr, für tote Nachbarn sechs Wochen. Ein Trauerlader lädt bislang die Trauergäste zum Begräbnis ein.

An den Werktagen trägt man statt des Küreß eine Bluse; zur Sommerszeit sind Bluse und Rock aus Baumwolldruckstoffen, zur kalten Jahreszeit ist es Bibertuch (Rohflanell).

In den letzten Jahren ist man fast gänzlich vom unbequemen Küreß abgekommen, stattdessen legen die Frauen an Sonn- und Feiertagen allgemein eine samtene Bluse mit einem weißen Kragen an. Faltenrock und farbenprächtige Schürze sind geblieben, auch das Kopftuch, die "Hülln".

 


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