Sechsämterland

(Oberfranken)


 

"Sechsämter Tracht"

( 19. Jahrhundert )

Der heutige Landkreis Wunsiedel entspricht in seinen Grenzen etwa dem Bereich des Sechsämterlandes mit den bis 1810 markgräflich-hohenzollernschen Ämtern Wunsiedel, Weißenstadt, Hohenberg, Thierstein, Kirchenlamitz, Selb und Marktredwitz, die mit Eger verbunden, 1816 durch einen Gebietsaustausch mit Österreich an Bayern fiel.

Während des Rokoko trugen die Männer "dunkelbraune Goller, rote Westen, schwarze Tuch- oder naturfarbene Lederhosen, Wadenstrümpfe und braune oder schwarze breitkrempige Filzhüte", die um 1800 vom Zweispitz verdrängt wurden.

Ebenfalls um 1800 wandelte sich die bäuerliche Tracht: "Man trug blaue Beiderwandkittel mit weiten und langen Schößen, einreihig mit Silberknöpfen, unter Beibehaltung der roten Westen".

Um 1830 kam ein langschößiger Tuchrock in den Farben Blau, Braun oder Schwarz auf, wozu ein flachkrempiger Filzhut aufgesetzt wurde.

Die Frauen trugen um 1750 orangefarbige, blaue oder rote Mieder mit meist dunkelroten Röcken. Rundbogige Brokat- oder Flitterhäubchen dienten als Kopfbedeckung.

Nach aufgefundenen Kleidungsstücken bestand die Frauentracht (Selber Umland) aus einem schweren, weiten, in Falten gehaltenen, vielfach blau- oder rotgestreiften Rock, der mit einem Tragleibchen fest verbunden war. Zu bestimmten Anlässen wurde darüber das meist seidene "Wammes" getragen. Dieses war mit langen, unten engen oben aber sehr weiten Ärmeln (Schinkenärmeln) ausgestattet, die Taille sehr kurz gehalten, vorne zuknöpfbar und der weite Halsausschnitt mit Rüschen besetzt. Eine große glattliegende, farbig gestreifte Linnenschürze, welche fast den ganzen Rock umschloß, vervollständigte die Kleidung. Um den Hals wurde ein seidenes Tüchlein gelegt und die Enden über dem Leibchen gekreuzt.

Die Männer trugen entweder schwarzlederne Kniebundhosen, die mit Knopf und Knopfloch unterhalb des Knies versehen waren, oder weite Bocklederhosen, zu denen sie lange, schwarze Stiefel anzogen. Die Westen fertigte man aus längsgestreiftem Stoff oder aus geblümter Seide an. Ränder und Taschen wurden mit schwarzen Borten eingefaßt. Der bis unterhalb der Knie reichende Tuchrock, auch als Schwenker bezeichnet, wurde sonntags getragen. Werktags trat an seine Stelle meist ein kurzes, kräftiges Goller. Um den Hals wurde ein buntes Tüchlein geschlungen. Ein breitkrempiger Hut diente als Kopfbedeckung.

 


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