Jahr 2000

Dezember 2000

Regnet's an St. Nikolaus (6.12.)

wird der Winter streng und kraus

 

Neigierig

 

O Tanta, sogt da Doktas-Fritz,

loß in dei Maul neilanga!

Geh, sogt die Tanta, garstga Buu,

wos willst denn do oofanga?

 

Ja, sogt da Fritz, da Vadda hot erst gestan gsocht zur Mudda:

Morng kummt die Tanta, die is fei a recht a eirissigs Luda.

 

On der ihr Oort, do konni mi mei Letta nimma gwehna

und doch derf mas verkrippln net,

oba die hot Hoor af die Zähna.

Drum Tanta, sperr etz auf dei Maul,

i will di ja net schlochtn,

iech will ja bloß die Hoor amol,

af deina Zäh betrochtn.

Samuel Bach, Bayreuth 1906


November 2000

Ist der November kalt und klar,

wird trüb und mild der Januar.

 

Die Spießlesrecker

Wir ham gehört, ihr habt geschlacht

und habt so gute Würst gemacht!

Gebt uns von diesen, es merkt ja keiner,

ein paar in unsern kleinen Eimer.

Einen Preßsack möchten wir auch gern essen,

den könnt ihr bestimmt sehr leicht vergessen.

Klöß mit Knöchla schmecken uns gut,

und a bißla Brüh, gemacht von Blut.

Das alles möchten wir gern haben.

Wir danken euch für diese Gaben,

und übers Jahr wirds wieder fein,

da schlachtet ihr ein noch größeres Schwein.

Da freun wir uns schon heut darauf

und suchen euch dann wider auf.

Eure dankbaren, gut bekannten Spießlesrecker.


Oktober 2000

Bringt der Oktober Frost und Wind,

wird der Januar gelind.

 

Schtudiert is eem schtudiert

Na Ecknbauern sei Schtudentla hots Abs gut übaschtandn, kimmt desweng quietschvagniegt af die Ferien haam. Wenn er aa glei ka Geld mehr hot, gieht er duch oodanocht ins Wärtshaus, setzt sie in seina Fraid zan Männan und derzillt dennan, wos er allas koo und glernt hot. Er redt und redt und dischkutiert wie a Buch.

Die Männa horng a Schtündla ganz broov zu. Es schpannts ja jeda: der hot sei Schulgeld net ümmasinst zohlt, dem werd ka Wärtla zan Krippl, a Brilln hot er und saufn ko er aa. Wos oba long dauert, gieht net schee, ball werd ihnen die vill Gscheitigkeit za dumm. Do frägt der Rutnrees orch spitzi: "Allawall derzillst, wos'd konnst, itzat sog amoll ehrli, wos'd net konnst. Valleicht ko des nochat ich!"

No, und do mußi zwischnnei varootn, daß der Rees a rechta Geizkrong is, ehra schütt die gfreckta Sau nu a Färkala, wie da Rees an Pfenning. Oba der Schtudent kennt si aus: "Do ko ich aich scho diena, Vetta. Ich ko nemli mei Zech net zahln, ich glaab wärkli, des könnt ihr."

Do lachn sa allazsamm und der Rees hot zohln müssn, oba wölln hot oda neet. Schtudiert is eem schtudiert.

von Karl Meier-Gesees


September 2000

Donnert's im September noch,

liegt der Schnee an Weihnacht hoch.

* * *

Bareither Land

(Gert Rückel)

Bareither Land - des kennst du net?

Des kann doch gar net sei!

Des kennst bestimmt, ich halt a Wett!

Ich zeig dirs etza glei:

Groß is es net, doch voller Leb'n,

Voll Leb'n und voller Leit,

Und willst es amoll richtig sehng,

Na mußt nei aaf Bareith.

Am Wochenmarkt, do stellst di no,

Reißt Aug'n und Ohr'n weit aaf,

Na sichst a´ Fraaa vom Hummelgau,

Und härst na aa ihr Gwaaf.

Doch aa vo Creußn kommers rei,

Vo Benk und Drossafeld,

Am Markt, do machns ihr Geschrei:

Die ganz Bareither Welt.

Do sin sie zamm, do werd gelacht,

Auf Mittag räumers ab,

No schnell a Schnäpsla runtergschütt,

Dann nix wie haam in Trab.

Etz hastes gsehng, etz waaßt Bescheid,

Bareihter Land is klaa,

Etz kannst an jedn song, wo's is:

Do drom, ganz obn am Maa!


August 2000

Macht der August uns heiß,

bringt der Winter viel Eis.

* * *

Mariä Himmelfahrt Sonnenschein,

bringt uns viel und guten Wein.


Juli 2000

Im Juli muß vor Hitze braten,

was im September soll geraten.

***

Wenn's nicht donnert und blitzt

und der Schnitter nicht schweitzt,

und der Regen dauert lang,

wird's dem Bauersmann bang.

***

Wenn Jakobi klar und rein (25.7.)

wird das Christfest frostig sein.

Schlumperliedla

Wenn da Mond su schee scheint

und scheint nei mei Bett,

dann denk ich halt allawall,

wenn i a a Schotzerl het.


 Juni 2000

Dialektreim

Geier, Geier, mach a Rod,

beiß mir fei ka Henna tot,

beiß lieber alla Kroha zamm,

und trog sa deine Junga ham.

* * *

Wetterregeln für den Juni

 

Wie soll das Juniwetter sein?

Schön warm

mit Regen und Sonnenschein

 

Juni feucht und warm,

macht den Bauer nicht arm.

Juni trocken mehr als naß,

füllt mit gutem Wein das Faß

 


Mai 2000

 

Der Kartoffelbrei oder wie das Gewitter eingeschlagen hat:

Heute gab es mittags geschmalzene Stopfer (= Kartoffelbrei) mit gerösteten Zwiebeln und Soße. Eine Bauernfamilie am Hahnenkamm saß rund um den Tisch, und alle aßen gemeinsam aus einer großen Tonschüssel. Der Knecht, dem der Schalk im Nacken saß, beugte sich etwas vor und zog mit seinem Löffel Rinnen in den Stopfer, damit die gute Soße auf seine Seite laufe. Dabei sagte er zu dem Bauern: "Sixt, sou zieng im Sommer die Gwitter bal so rum und bal so rum." Da zog der Bauer aus, gab ihm eine kräftige Ohrfeige und erwiderte lachend: "Sixt, Knecht, und so schlagn's ei!"

 

Wetterregeln für den Mai

 

Regen auf Walpurgisnacht

hat immer ein gutes Jahr gebracht.

 

Mairegen auf die Saaten

dann regnet es Dukaten.

 

Kühle und Abendtau im Mai

bringen Wein und vieles Heu


April 2000

A wengala Schluperliedla

 

Madla, wennst moll heiern tust,

heiat jor kann Grußn,

die saufen flott im Wertshaus 'rum,

nochet machns in die Husn.

 

Wer Epfl hot und ißt sa net,

ban Maichala schleeft und nimmt sa net:

des muß a rechta Grispl saa,

i glaab, der is vo Pottnstaa.

 

Wenns deine Lait net leidn wolln

und meine wollns net hoom,

dann schlong mas Bett in Weiha auf,

do könnans uns net hoom.

 

Im obern Dorf, im untern Dorf,

do fohr'n die Bauern Schlitt'n

und wer kann richting Schlitt'n hot,

der is im Dorf net glitt'n

 

Daß ich a lustigs Berschla bin,

des sicht ma an meim Haus;

der hintre Giebel wackelt scho,

der vordre fällt bald naus.

 


  März 2000

Bareither Land

von Gert Rückel

Bareither Land - des kennst du net?

Des kann doch gar net sei!

Des kennst bestimmt, ich halt a Wett!

Ich zeig dirs etza glei:

Groß ist es net, doch voller Leb'n,

Voll Leb'n und voller Leit,

Und willst es amoll richtig sehng,

Na mußt nei aaf Bareith.

Am Wochenmarkt, do stellst di no,

Reißt Aug'n und Ohr'n weit aaf,

Na sichst a` Fraa vom Hummelgau,

Und härst na aa ihr Gwaaf.

Doch aa vo Creußn kommers rei,

Vo Benk und Drossafeld,

Am Markt, do machns ihr Geschrei:

Die ganz Bareither Welt.

Do sin sie zamm, do werd gelacht,

Auf Mittag räumers ab,

No schnell a Schnäpsla nuntergschütt,

Dann nix wie haam in Trab.

Etz hastes gsehng, etz waaßt Bescheid,

Bareither Land is klaa,

Etz kannst an jedn song, wo's is:

Da drom, ganz obn am Maa!

Bauchschtächala

(Kartoffelnudeln)

750 g gekochte Kartoffeln

3 Eier

3 bis 4 Eßlöffel Mehl

Salz und Muskat

Die gekochten Kartoffeln werden geschält und durch die Kartoffelpresse, ein für die Fränkische Kochkunst unentbehrliches Gerät, gedrückt. Man mischt mit den Händen Mehl und Eier gut unter und schmeckt mit Salz und Muskat ab. Nun formt man zunächst Kugeln, die man zu Fladen flachdrückt - knapp handtellergroß - und in der Stielpfanne in beliebigem Fett beidseitig goldgelb ausbäckt.

Diese Bauchschtächala schmecken hervorragend sowohl zu Kalbs- oder Lendenbraten als auch als Billigmahlzeit zu Birnen-, Apfel- oder Zwetschgenkompott.


Februar 2000:

Fränkische Wetter- und Bauernregel:

"Ist's an Lichtmeß hell und rein,

wird ein langer Winter sein;

wenn es aber stürmt und schneit,

ist der Frühling nicht mehr weit.


Das verdächtige Tier

 

In der Schull in Unterricht

Wor die Klapperschlanga droh,

Wu sa lebt und wenn's ahn sticht,

Wos mer dergeg'n machen koh;

 

Wie mer'n Gieft zon Bieß raussaugt,

Daß der Mensch net geht kaput,

Wenn es Zohfleisch ner wos taugt

Und net ebbere zu leicht blutt.

 

Korz, wos ahner wissen muß,

Wenn er später allenfalls

In Amerika zu Fuß

Rum sich treibet af der Walz.

 

"Nun", fährt öz der Lehra fort,

"Sagt, ihr Kinder, giebt's auch hier

In der Näh von unserm Ort

Etwa ein verdächt'ges Tier?

 

"Fritz, du hebst den Finger nauf,

Nun, so sags, recht deutlich, horch!"

Und es Fritzla, dös steht auf

Und sogt laut: "Der Klapperstorch!"

(Gedicht von Samuel Bach)


Januar 2000:

Fränkische Wetter- und Bauernregel:

Ist Dreikönig (6.1.) hell und klar,

gibt's viel Korn in diesem Jahr.


Baron von Riedesel oder woher fränkische Adelige ihre Namen herleiten

 

Es ist etwas dran, wenn einer von Adel ist. Und darum darf er sich wohl seines alten Stammes und Namens rühmen, wie es jene vier taten: der Baron von Riedesel, der Baron von Gebsattel, der von Aufseß und der von Palm.

Diese vier saßen bei einem Gastmahl zusammen, und als sie des Weines genug genossen und darob fröhlich geworden, sagte der von Gebsattel zu dem von Riedesel: "Ihr habt doch einen wunderlichen Namen, wer waren denn Eure Voreltern?" Von Riedesel sagte: "Meine Voreltern und mein Adel sind so alt als die christliche Zeitrechnung. Als Christus der Herr in Jerusalem glorreich einreiten wollte, gaben ihm meine Voreltern ihren Esel, weil kein Pferd vorhanden war. Um dieses Andenkens willen nennt man uns Riedesel."

Darauf sagte der von Gebsattel: "Unser Stamm ist nicht jünger und unser Verdienst ist nicht kleiner, denn meine Voreltern schenkten dem Herrn Christus einen Sattel, damit er desto bequemer auf dem Esel reiten könnte. Darum heißen wir Gebsattel und deshalb rühmen wir uns billigerweise."

Nun nahm der von Aufseß das Wort: "Euerer Voreltern Verdienste wären aber zunichte geworden ohne die meinigen. Da zu dieser Zeit noch keine Steigbügel üblich waren, so hoben die Meinigen den Herrn Christus mit den Händen hinauf; deshalb wir denn von diesem Tag an Aufseß heißen."

Es kam nun die Reihe an den von Palm. Der sagte: "Und meine Voreltern haben unter das Volk Palmzweige ausgeteilt, um den Einzug Christi des Herrn recht feierlich zu machen; daher wird unser Namen und unser Verdienst mit Recht ebenso gepriesen, als der eurige."

So sprachen die vier zusammen, und sie stießen die Gläser an und tranken Gesundheit auf ihren Adel. Und das haben sie gut gemacht, denn es ist, wie gesagt, etwas daran am Adel. Wiewohl freilich, wenn ein Adeliger ein Unedler ist, denn - ist nichts daran, an ihm und seinem Adel.

 

Heffakung

Zubereitung: Aus 2 Pfund Mehl, ca. 40 g Hefe, Salz, Milch und etwa 3 Eßlöffel Zucker bereitet man einen geschmeidigen Hefeteig. Man läßt ihn am temperierten Ort um das Doppelte seiner Menge aufgehen, füllt ihn in eine mit Butter, Schweineschmalz oder anderem Fett gut ausgestrichene Pfanne und bäckt ihn im Rohr bei Mittelhitze aus.

Ärpflbrei

Zutaten: 8 Kartoffeln, 30 bis 40 g Butter, 2 Eßlöffel Mehl, Salz, Pfeffer, Majoran.

Die Kartoffeln zu Salzkartoffeln kochen und dadurch die Kartoffelpresse drücken. Aus dem Kochwasser, der Butter und dem Mehl eine helle Mehlschwitze bereiten - a Einbrenn, wie das in Bayreuth heißt - und mit den durchgedrückten Kartoffeln nochmals aufkochen. Um die gewünschte Konsistenz zu erhalten, gibt man evtl. noch etwas Milch zu und schmeckt mit den angegebenen Gewürzen gut ab.


Jahr 2001
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