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Waale in Franken

 

Geschichte der Waale

Bewässerungskanäle weltweit

 

Eine großflächige Bewässerung von Arealen zur Gewinnung oder Verbesserung von Ernteerträgen organisierten bereits die alten Hochkulturen des Vorderen Orients an Nil, Euphrat und Tigris. Hinweise auf eine Bewässerung von Wiesen finden wir jedoch erst viel später: im zwölfbändigen landwirtschaftlichen Lehrbuch "De re rustica" des römischen Ackerbauschriftstellers Lucius I. M. Columella im ersten nachchristlichen Jahrhundert.


Algerien

"Ihre Fertigkeit, diese Bewässerungskanäle zu machen, hat sich auch in jüngster Zeit nicht verringert, wie die neue Leitung beweist, die vor nach nicht zehn Jahren bei Raminj im unteren Chapursan-Tal erbaut wurde. Dieses Kunstwerk, denn ein solches ist es, wurde in fünf Jahren erbaut und kostete acht Männern das Leben.

Dieser Kanal ist über zwei Meilen (mehr als drei Kilometer) lang und zieht sich zart und gefährlich ein Seitental hinuter.

Er liegt oft 500 Yards (ca. 450 Meter) über dem Wasserstrom, aus dem er gespeist wird. Er hängt an einer senkrechten Felswand und legt entlang seines ganzes Verlaufes Zeugnis ab vom großen Einfallsreichtum und vom großen Geschick.

(aus: Buch "Between th Oxus and the Indus" aus den dreißigern Jahren von Oberst Schomberg)

 

 

Klare Linien zwischen Wüste und Grünland zeigen an, wie weit das Wasser reicht

 


 

Ladakh

Der Wasserlauf muß genau richtig sein, es darf keine Lecks geben, und es darf nicht die Gefahr bestehen, daß der Kanal mitten in der Bewässerungszeit brechen könnte.

All dies ist bloß durch reiche Erfahrung möglich geworden. Ein tüchtiger Ingenieur könnte sehr wohl stolz sein auf das, was diese Dorfbewohner geleistet haben. Es ist möglich, am Rande des Wasserbächleins entlangzugehen, wenngleich dies stellenweise recht tückisch ist, da der Fußpfad oft schmal ist, so daß es beruhigend ist, sich am Felsen festzuklammern und den jähen Abgrund unter sich zu vergessen.

Die Steinrutsche, durch die Schifer und kleine Felsbrocken hinuntergleiten, sind geschichkt in Tunnels gelegt und an ihnen muß vorsichtig vorbeigegangen werden.

 

 

Wasserkanäle in Ladakh

 


Mochica-Kultur

(Inkas/Südamerika)

 

Die Mochica, ein altperuanisches Volk und Vorläufer der Inkas, lebten in einem Wüstenkönigreich an der Küste des Pazifik. Ihr Wasser hatten sie über ein perfektes System von Kanälen aus den Gletscherregionen beschafft und es mit einem mittleren Gefälle von 0,5 bis zwei Prozent in die Täler geführt.

 

 

Am Fuße der Cordillera Blanca in Peru


 

Industal

(Pakistan)

 

In der Talsohle führt der Fluß eine imponierende Wassermasse, die für die Dörfer am höhergelegenen Ufer nicht nutzbar ist. Wegen der anhaltenden Erosion und des stets wechselnden Wasserspiegels des Indus ist die Wasserfassung auch weiter flußaufwärts nicht möglich.

Um überleben zu können, zapfen die Menschen oft weit entfernte kleine Seitenbäche an, die von den Gletschern herunterstürzen. Diese kleinen Wasserläufe sind noch aus großer Entfernung in der Landschaft auszumachen, weil sie von einem üppigen und auffälligen Vegetationsgürtel durch die Wüste begleitet werden.

Wie langgezogene Oasen breiten sich unterhalb der Waale aus.

 

 

Waaler bei der Arbeit


 

Reisterrassen im Norden der Philippinen

 

Vor rund 2.000 Jahren wurden sie angelegt, die berühmten Reisterrassen im Norden der Philippinen. Ihre Baumeister waren die Ifugao, ein Bauernvolk, das vermutlich aus Indonesien stammte und sich in der unwegsamen Bergwelt der Cordilleren ansiedelte. Mühsam haben die Ifugao dem Boden ihr Hauptnahrungsmittel abgerungen. 1.000 Arbeitsstunden pro Hektar sind die Norm, bis heute können auf dem steilen Gelände keine Maschinen eingesetzt werden. Alte, traditionelle Reissorten werden in einer Höhe bis zu 1.600 Metern kultiviert, auf kleinen Parzellen, die sich der Landschaft anpassen. Ein Netz von Kanälen, Bambusrohren und Gräben durchzieht die Berge und leitet das Wasser auf die Reisterrassen. Nur einmal im Jahr wird geerntet, Hochertragssorten haben sich in der Region noch nicht durchgesetzt.

 

 

 

 


 

Levadas auf Madeira

 

 

 

Zu den größten Errungenschaften, die der Mensch auf die Insel Madeira gebracht hat, zählt das kunstvolle Bewässerungssystem, dessen Kanäle sich auf insgesamt ca. 2150 km Länge erstrecken. Der Bau der so genannten Levadas geht schon auf die Zeit der ersten Besiedlung Madeiras zurück.

 

Wer den Anstoß zum Bau der Levadas gab - von Port. "levar", d.h. "führen" - ist nicht überliefert. Sicher ist aber, dass Sklaven aus Afrika und von der Kanareninsel La Gomera die ersten Kanäle anlegten.

 

Das größte Hindernis dabei waren die topografischen Gegebenheiten. Jeder Stein, jedes Arbeitsgerät musste erst einmal dorthin gebracht werden, wo man den günstigsten Verlauf der Levada bestimmt hatte. Oft genug mussten die Arbeiter mit Ihren Geräten per Seil an dem Steilwänden hinuntergelassen werden und hingen bei der Arbeit zwischen Himmel und Erde. Die meisten Levadas wurden aber im 20. Jh. angelegt.

 

Gespeist werden die Levadas auch heute noch durch natürliche Quellen und durch große Wasserreservoirs, die für gleichmäßigen Wasserfluss sorgen. Bevor das Wasser die Felder ereicht, hat es schon einem weitern sinnvollen Zweck gedient, nämlich der Stromerzeugnung.

 

Wasserrecht

(Levadarecht)

 

Um die Bauern auf möglichst gerechte Weise mit Wasser zu versorgen, wurde schon früh ein "Levadarecht" erlassen, das heute noch im Wesentlichen gleich ist wie früher.

 

Levadeiros (Waaler) halten das komplizierte Kanalsystem in Ordnung und überwachen die Verteilung. Jeder, der ein berechtigtes Interesse hat, darf die benötigte Wassermenge entnehmen. Dafür verzichtet der Grundbesitzer seit jeher darauf, einen auf seinem Grundstück entspringende Quelle ausschließlich selbst zu nutzen. Die von der Regierung garantierte Gegenleistung besteht darin, dass sie für das Wasser aus den Levadas keine Gebühr erhebt und für den Unterhalt der Kanäle aufkommt.

 

 

 

 

 

Mittlerweile sind die Levadas verstärkt ins touristische Interesse gerückt. Wanderer schätzen die eigentlich für Wartungsarbeiten angelegten Wege entlang der Kanäle. Allerdings ist nicht jede Levada grundsätzlich zum Wandern geeignet: Es gibt Touren, die nur wirklich schwindelfreie und im Gebirge erfahrene Ausflügler unternehmen können. Diese Wege führen ohne Sicherungen an steilen Felswänden entlang und sind gerade mal so breit, dass man die Füße voreinander setzen kann, also nichts für schwache Nerven.

 


 

Südtirol (Italien)

 

In allen alpinen Regionen, aber nicht nur hier, wurden im Laufe von Jahrhunderten oder Jahrtausenden wegen der Niederschlagsarmut ausgeklügelte Techniken für die Fassung, den Transport und die Verteilung von Bewässerungswasser entwickelt, um die Ernteerträge steigern zu können.

In Südtirol, und besonders im Vinschgau, entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Bewässerungsnetz, das zu den vollständigsten im ganzen Alpenbogen zählt: viele Kilometer von Wasserläufen, die in die Erde gegraben oder aus den Felsen gehauen sind, mit langen Rohren aus Metall oder Holz. Einige von diesen Waalen führen noch heute Wasser in die entlegenen Wiesen und Feldern.

 

 

 

Bergwaal in Südtirol


Piemont (Italien)

 

Besonders in den westlichen Regionen lassen sich ähnliche Wasserbauten und ähnliche Verteilungstechni wie im Vinschgau gibt. Im Bereich der Brigasca - das ist die Region im Hinterland Liguriens, begrenzt von der Provence (Frankreich) und den Bergen hinter Cuneo (Piemont) - finden sich noch Reste von kilometerlangen Bewässerungsgräben.

Auf ähnliche Bauwerke treffen wir auch in den Bergen Okzitaniens und im Aostatal.

Der Begriff, der in dieser westalpinen Großregion für die wasserführenden Kleinkanäle gebraucht wird, heißt - mit jeweils leichten Abwandlungen - beai, bialiero, biiero, beal. Diese Wörter geben auf die Sprachwurzel buol zurück, die vermutlich keltischen Ursprungs ist. Auf buol läßt sich möglicherweise auch das Wort "Waal" zurückführen.

 

 

Castelbianco im Pennavairatal, Ligurien


 

Puschlav (Schweiz)

 

Etwas weiter östlich im Wallis, finden wir Wasserwaale, die wegen ihrer Länge und wegen ihrer kühnen Trassenführung jenen des Vinschgaus vergleichbar sind. Diese Waale fassen ihr Wasser in unmittelbarer Gletschernähe und bringen es über steilaufragende Felswände, an denen die Rohrer mit Ankerseilen befestigt sind, in die Tallagen. Wer die beschränkten technischen Hilfsmittel früherer Zeiten berücksichtigt, wird von wahren Wunderwerken der Wasserbautechnik sprechen.

 

 

Saastal, Wallis


 

Bayern (Deutschland)

 

 

Wiesenwaal in der Fränkischen Schweiz

 

Aquädukt über den Lohrbach

(Unterfranken)

 


 
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