"In Bayern angekommen . . . "
Die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Bayern nach 1945
Wanderausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte
Bayern stand 1945 vor der schier unlösbaren Aufgabe, fast zwei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aufnehmen zu müssen. Die Integration dieser Menschen war eine gewaltige Herausforderung. Denn sie kamen in ein Land, das vom Krieg zerstört und mit den eigenen Problemen der Existenzsicherung beschäftigt war.
Niemand konnt sich damals vorstellen, dass wenige Jahrzehnte später aus dieser Integration eine Erfolgsgeschichte auch für das Land Bayern werden würde. Die Flüchtlinge und Vertriebenen empfanden Bayern zunehmend als ihre Heimat.
In seiner Regierungserklärung von 1966 sprach der bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel erstmals von der "erfolgreichen Integration" der Flüchtlinge und Vertriebenen.
Diese erstaunliche Entwicklung stellt die Wanderausstellung dar. Fotos, Dokumente, Zeitzeugeninterviews berichten über den mühseligen Weg, die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten, aus Ost- und Südosteuropa in Bayern einzugliedern. Zuerst galt es, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten und sie in Arbeit und Brot zu bringen. Die Schwierigkeiten waren besonders in den ersten Jahren erheblich. Zu groß waren oft die Gegensätze zwischen Alteingesessenen und "Zugereisten" in Herkunft, Mentalität und Konfession.
Auf Druck der amerikanischen Militärregierung richtete Bayern bereits Ende 1945 eine eigenständige Flüchtlingsverwaltung ein. Diese diente zunächst dazu, ausreichend Wohnraum für die Flüchtlinge bereitzustellen. Menschenwürdige Unterkünfte freilich standen erst zur Verfügung, als der Wohnungsbau Anfang der 50er Jahre erheblich intensiviert wurde.
Der sprunghafte Zuwachs der Bevölkerung um fast 25 Prozent veränderte in Bayern auch die wirtschaftliche Struktur. Die Flüchtlinge und Vertriebenen brachten Kenntnisse und Fähigkeiten mit, die das überwiegend agrarisch strukturierte Land bereicherte. Ihre Aufbauarbeit trug überdies in erheblichem Maße zum "Wirtschaftswunder" bei und leitete den Strukturwandel Bayerns zu einem modernen Industriestaat ein.
Auch die politischen Parteien bemühten sich um die neue Wählergruppe, die zeitweise sogar das Parteienspektrum veränderte. Das kulturelle Leben Bayerns erhielt neue Impulse sowohl durch die Traditionspflege der Vertriebenen als auch durch ihr Engagement in der neuen Heimat.
Publikationen zur Ausstellung:
(erhältlich in der Ausstellung oder beim Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg)
Begleitpublikation mit Kurzführer:
Friedrich Prinz: Die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Bayern. Versuch einer Bilanz nach 55 Jahren, 48 Seiten, ca. 50 ABB., 7,50 DM
Kochbuch mit Originalrezepten aus den Herkunftsgebieten der Flüchtlinge und Vertriebenen, mit zahlreichen Illustrationen.
Weitere Informationen:
Haus der Bayerischen Geschichte, Postfach 10 17 51, 86007 Augsburg, Tel. 0821/3295-123, Fax: 0821/3295-220
E-Mail: pressestelle@hdbg.bayern.de
Internet-Adresse: http://www.bayern.de/HDBG/